
Priska Heilweck 2026

Priska Kirchgäßner 1955
Kindheits-erinnerung-en von Priska Heilweck, geb. Kirchgäßner
Ich wurde am 5.3. 1942 in Neudorf geboren und war das erste Kind der Familie. Gewohnt haben wir in der Huttenheimer Str. 13 im Elternhaus meines Vaters. Zusammen mit mir und meiner 1944 geborenen Schwester Alice lebten dort noch 8 Cousins und Cousinen, deren Vater jung gestorben war.
In der Huttenheimer Straße hatten wir eine große Scheune mit einem Katzenlauf, da haben wir immer gespielt. Der Kirchgäßner Opa hat oft geschimpft, weil wir alles durcheinander gemacht und auch mal den Kühen die Schwänze zusammengebunden haben. Es war echt etwas los: Auf der Straße und im Hof haben wird die Tanzknöpfe tanzen lassen oder „Hopferles“ (Himmel und Hölle) gespielt.
An die Kriegszeiten kann ich mich nur wenig erinnern, aber ich weiß noch als die Marokkaner 1945 in das Dorf kamen: Ich war in diesen Zeiten oft mit meiner Mutter in der Bruchsaler Straße bei meinen Großeltern, weil mein Vater noch in Gefangenschaft war. Wir waren alle im Keller, meine Mutter hatte mich im Arm, Alice lag bei einer Tante, Oma und Opa waren auch dabei. Die Marokkaner schlachteten unsere Hühner und durchsuchten alles. Oma sagte, dass sie nichts mehr hätten und dann standen sie mit dem Gewehr vor der Oma. Das Bild vergesse ich nicht!
Meine erste Banane bekam ich von einer Tante aus Karlsruhe, die zu Besuch kam. Und die Banane wollte ich nicht weil ich nicht wusste, was das war; damals war ich noch nicht in der Schule, es muss so 1947 gewesen sein.
Mein Vater war 1942 von der Reichsbahn in Litzmannstadt abgestellt, das heutige Lódz. Meine Mutter war von 1940 bis kurz vor 1942 bei ihm in Polen ist aber dann zu meiner Geburt nach Neudorf zurückgekehrt. 1944 wurde mein Vater zur Wehrmacht eingezogen, 1945 kam er von Russland aus nach Hause: Die Erinnerung habe ich noch, als ein alter Mann durch das Hoftor in der Huttenheimer Straße gekommen ist und mich auf den Arm genommen hat, meine Schwester Alice lag daneben im Kinderwagen. Dann wurde meine Mutter schwer krank mit Unterleibskrebs; mit einem mit Kühen angespannten Heuwagen wurde sie nach Bruchsal ins Krankenhaus zur Operation gefahren.
1948 kam ich in die Schule an der Hauptstraße. Meine Schulzeit war eigentlich schön: In der 1.Klasse war ich aber zunächst sehr traurig: Ich kam in die A-Klasse und alle aus der Kinderschule kamen in die B-Klasse, da bin ich mir sehr verloren vorgekommen. Der Lehrer Merke war ein sehr strenger Lehrer, aber er konnte mich gut leiden. Ich war sehr wissbegierig und habe gerne gelernt. Hausaufgaben waren schnell gemacht, meine Mutter war ja immer daheim und wir waren nur zwei Kinder. Meine Mutter war Näherin und nähte für uns Mädels schöne Kleider, auch aus aufgetrennten Kleidern.
Viel Landwirtschaft hatten wir nicht, mein Vater bearbeitete in seiner Freizeit ein paar „Äckerlen“ und wir mussten beim Gurkenzopfen helfen. Er war als Beamter im Schichtdienst bei der Bahn und dadurch bekamen wir Freischeine für die Bahn und konnten tatsächlich in „Urlaub“ fahren. In der Sommerferien waren wir oft für eine Woche in Lörrach bei dem ältesten Bruder unseres Vaters, er war dort Stadtgärtnermeister. In Altbierlingen bei Ehingen waren wir auf einem großen Bauernhof bei der Verwandtschaft mütterlicherseits. Mit den Freischeinen war es meinem Vater möglich, von dort Mehl , Fleisch oder Ferkel zu holen, die dann groß gezogen wurden. Essen hatten wir immer, aber wenig Geld, es war ja auch nur ein Verdienst da. Meine Mutter machte oft Schupfnudel, das war mein Lieblingsessen. Mein Vater war ein sehr gutmütiger Mann, meine einzige Ohrfeige bekam ich, als ich auf einen fahrenden Zug aufsprang und er mich dabei gesehen hatte. Mein Vater war zu der Zeit Fahrdienstleiter in Karlsruhe und ich ging schon zur Lehre.
1949 haben wir in der Lauerstraße gebaut , 1950 sind wir umgezogen. In der Zeit mussten wir sehr sparen. Das Haus war mit unseren Möbel aus der Huttenheimer Straße möbliert, es gab kein Bad oder Toilette, ein Plumsklo wurde erst später auf dem Hof gebaut. Untertags durften wir bei unseren Nachbarn Müller das Plumsklo benützen, für die Nacht hatten wir einen Nachttopf. In diesem Haus wohne ich noch heute.
Am 31. März 1956 wurde ich aus der Schule entlassen und am 1.April 1956 begann bereits meine Lehrzeit. Ich habe beim Papier Ehrhardt in Karlsruhe Großhandelskauffrau gelernt. Aber ich bin nicht gerne nach Karlsruhe gefahren: Am Anfang meiner Lehre stand ich morgens vor dem Spiegel um meine Zöpfe zu flechten und habe geweint. In Karlsruhe bin ich mir richtig fremd vorgekommen, ich war ja erst 14 Jahre alt. Aber ich habe dort sehr viel gelernt und verbrachte fast meine ganz Lehrzeit in der Buchhaltung: Zahlen, Rechnen, Finanzen waren schon immer meine Welt und sind es heute noch.
Rückblickend kann ich sagen: Ich hatte eine schöne Kindheit.
Gemeinderätin von 1981 – 1989 / CDU
Aktiv im Kirchenchor Neudorf seit 1957
Über 40 Jahre bei SEW Bruchsal als Sachbearbeiterin Personal und Lohn
