Vom „Buzzel-Lesa und Himbeer-Sammla“ im Wald
Nach Peter Brecht ( Heimatbrief 1994)
Der Wald war in den fünfziger Jahren viel mehr als heute eine Wirtschafts- und Ernährungsquelle der einheimischen Bevölkerung. Holz machen, Laab-Tag, Viehweide, Buchel-Lesen u.a. waren den Dorfbewohnern geläufig.
Wenn nun so Anfang Juni / Anfang Juli warme Sommertage ins Land gingen, hieß es oft: „Heute Nachmittag geht’s ins Buzzel-Lesa und Himbeer-Sammla in da Wald.“ („Buzzel“ oder „Forle-Buzzel“ ist die Samenfrucht der einheimischen Kiefer). Da wurde dann nach dem Mittagessen der Handwagen (s’Wägele) gerichtet, drei Säcke und zwei geflochtene Körbe mitgenommen und vor allem auch zwei kleinere Milchkannen zum Himbeersammeln. Buben und Mädchen haben das Wägelchen gezogen, die Mutter ist manchmal mit dem Fahrrad voraus oder hinterher gefahren und ab ging’s in den Wald.
In warmer, nach Kiefern duftender Waldluft und in angenehmer Stille des Sommernachmittages ging es nun an die Arbeit. „Körbe und Säcke füllen“ hieß die Parole. Natürlich war für uns Kinder dabei auch ein abenteuerliches Herumtollen und Sucheles-Spielen verbunden. Auch waren andere Familien und Kinder mit der gleichen Beschäftigung im Wald anzutreffen. Wenn Säcke und Körbe gefüllt waren, wurden die nahen Himbeerschläge aufgesucht. Wenn ein fruchtbares Jahr war, konnte man dann recht schnell die Kannen mit der duftenden Beerenfrucht füllen.
Spätnachmittags gegen fünf Uhr ging’s heim vom Wald. Mit einer guten Fuhre, auch mit etwas Reisig und Holzbrocken voll beladen, war wieder vorgesorgt für kältere Tage. Die Buzzel und das Reisig waren ein gutes Anbrennmaterial für den heimischen Herd und wurden im Schopf trocken gelagert. Mit den wohlschmeckenden Himbeeren aber wurde uns eine schmackhafte Mahlzeit bereitet. Im Teller zerdrückt, ein bissel gezuckert und dann auf das selbstgebackene Brot aufgetragen war es Lohn für einen anstrengenden Arbeitstag, die gute Luft und das Herumtollen hatten ja sowieso für großen Appetit gesorgt.
