Kräutersammlung zu Mariä Himmelfahrt / 
15. August

  1. Geschichtlicher Hintergrund

Die Kräuterweihe gehört zu den volkstümlichen Gebräuchen der römisch-katholischen Kirche, ein Brauch, der bis zum 9. Jahrhundert zurückreicht. Das Brauchtum geht vermutlich auf die Überlieferung zurück, der zufolge dem leeren Grab Marias, der Mutter des Herrn, bei seiner Öffnung ein Wohlgeruch nach Rosen und Kräutern entstiegen sein soll.

Am 15. August, Mariä Himmelfahrt, werden Kräuter zu einem Strauß gebunden, in die Kirche gebracht und dort vom Priester gesegnet, um die Würz- und Heilkraft durch die Weihe zu erhöhen.

Das Kräutersammeln war eine spannende wie ehrenvolle Aufgabe, die vornehmlich Sache der Schulkinder war. Wurden anfangs nur Heilkräuter gesammelt kamen mit der Zeit Gartenpflanzen dazu, die als Ersatz für die Kräuter dienen, die nicht mehr auf den Feldern zu finden sind oder unter Naturschutz stehen.

In der mittelalterlichen Erfahrungsmedizin waren die „Marienkräuter“ wegen ihrer heilenden Inhaltsstoffe bei Tieren und Menschen gleichermaßen hochgeschätzt. Mit den geweihten Büscheln hatten die Menschen früher das ganze Jahr hindurch eine wertvolle Naturapotheke  für sich selbst und ihre Tiere zur Hand.

Früher hing der Werzwisch im Speicher oder im Stall um einen  Blitzschlag zu verhindern.

  2. Zusammenstellung

Je nach Region können die Sträuße aus insgesamt 7 (Wochentage) oder auch bis zu 99 Pflanzen bestehen. Selbst von Dorf zu Dorf ändert sich die Zusammenstellung. Nach einem Bericht von Wilhelm Herzog (Heimatbrief 1992) gehören 14 Kräuter (14 Nothelfer) in den Neudorfer Werzwisch, über die Auswahl gibt es auch innerhalb des Ortes Unterschiede.

Hier nun die meistgesuchten Kräuter für den „Neudorfer Werzwisch“:

- Königskerze / Wollblume
- Eisenkraut
- Schafgarbe
- Blutströpflin / Großer Wiesenknopf
- Maria Bettstroh / Goldrute
- Fuchsschwanz / Roter Herscher
- Johanniskraut / Johannisblut
- Wasserdost / Petersblut
- Odermenning / Odenmännlin
- Wermut
- Rainfarn / Kragenknöpfle
- Kamm / Wilde Karte
- Liebstöckel / Maggikraut
- Wilder Dost / Oregano

Der schöne Brauch des Werzwisches geriet in unserer modernen Zeit immer mehr in Vergessenheit. Seit dem Jahre 2019 führt  der Heimatverein eine gemeinsame Sammelaktion durch, die sich steigender Beliebtheit erfreut.

Nach der Segnung im Gottesdienst bietet der Heimat- und Museumsverein kleine Werzwische zum Mitnehmen an.

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